„Räume für ein würdevolles Leben bis zuletzt“

11. Dezember 2018

Die Eröffnung des Neubaus des Augsburger St. Vinzenz-Hospizes feierte der Verein gemeinsam mit Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml, Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl, Diözesanbischof Dr. Konrad Zdarsa und zahlreichen Ehrengästen.

Domkapitular Armin Zürn, Vorstandsvorsitzender des St. Vinzenz-Hospiz Vereins, eröffnete den Festtag mit einem Gottesdienst in der benachbarten Pfarrkirche St. Martin, den er gemeinsam mit einer Reihe von Konzelebranten feierte. Beim anschließenden Festakt im Vinzenz-Saal des neuen Hospizgebäudes an der Zirbelstraße begrüßte Domkapitular Zürn viele Gäste, Wegbegleiter und Unterstützer. Er dankte allen, die mit gesellschaftlicher, politischer, finanzieller und anderweitiger Unterstützung dazu beigetragen haben, den Neubau zu realisieren und den Lebensauftrag des St. Vinzenz-Hospizes zu unterstützen, Schwerstkranken Beistand zu leisten.

„Ein Baustein gegen aktive Sterbehilfe“

Hoch erfreut über die Eröffnung zeigte sich auch Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml. Sie würdigte die Vorreiterrolle des St. Vinzenz-Hospiz Vereins, der 1997 das erste stationäre Hospiz in Bayern eröffnet hat. Ihre besondere Anerkennung galt  der großartigen humanitären Leistung der Haupt- und Ehrenamtlichen, die die Gäste des Hospizes „in einen Mantel aus Zuwendung, Fürsorge und Geborgenheit hüllen“. Für die Staatsministerin sei wichtig, dass das Hospiz kein Sterbehaus sei, sondern ein „Haus des Lebens – Sterben ist ein Teil des Lebens“. Mit klaren Worten distanzierte sie sich dagegen von aktiver Sterbehilfe, die ihrer Meinung nach oft aus Angst vor dem Sterben entstehe. „Ein Tag wie heute ist daher wichtig“, betonte Melanie Huml. „Er ist ein Baustein gegen aktive Sterbehilfe.“ Das Hospiz sei eine Lösung, um Menschen aufzufangen und mitzunehmen. „Es bietet Räume und Möglichkeiten, um das Leben bis zuletzt würdevoll zu leben.“

„Von Herzen dankbar“

Große Freude bei der Eröffnung dabei sein zu können, zeigte auch Augsburgs Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl, der von Anfang an für die Erweiterung war und die Entstehung begleitet hat. Für ihn ist das St. Vinzenz-Hospiz „auch in gesellschaftlicher Hinsicht außerordentlich bedeutsam. Nicht um Sterbende abzuschieben, sondern um Sterben als Teil des Lebens in Würde zu ermöglichen.“ Besondere Aufmerksamkeit widmete  der Oberbürgermeister auch den rund 100 Ehrenamtlichen, die 10.000 Stunden im Jahr seelischen Beistand leisten. „Ich bin von Herzen dankbar, dass es das St. Vinzenz-Hospiz mit seinen haupt- und ehrenamtlich Engagierten gibt.“

Den kirchlichen Segen spendete Diözesanbischof Dr. Konrad Zdarsa dem neuen Gebäude, den Menschen, die dort betreut und gepflegt werden sowie auch den Menschen, die sich im St. Vinzenz-Hospiz mühen, um Beistand zu leisten und in aller Breite und Fülle tätig sind. Auch die Nachbarschaft zur Pfarrei St. Martin segnete der Bischof. Der Heilige Martin, als erster palliativ Dienender, sei ein Zeichen für das Hospiz und für die Menschen, die über ihren Horizont hinaus denken.

Großen Anklang fand bei den Ehrengästen die Führung durch die Räumlichkeiten des Neubaus. Wie gut schwerkranke Menschen im St. Vinzenz-Hospiz tatsächlich umsorgt sind, wurde bei einem persönlichen Besuch im Zimmer eines Gastes deutlich. Ingrid Roth freute sich sehr, dass Bischof Dr. Konrad Zdarsa, Staatsministerin Melanie Huml und Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl bei ihr Platz nahmen und Zeit für ein Gespräch hatten.

Mit dem Neubau hat das St. Vinzenz-Hospiz eine Erweiterung von 9 auf 16 Betten geschaffen. Für 14 davon besteht ein Versorgungsvertrag mit den Krankenkassen. Die zwei zusätzlichen Zimmer bieten die Möglichkeit, dass Angehörige in Ruhe von Verstorbenen Abschied nehmen und gleichermaßen Neuaufnahmen erfolgen können. Die Nachfrage nach Hospizbetten ist sehr groß, da das St. Vinzenz-Hospiz die einzige stationäre Einrichtung dieser Art in der Region ist. In ganz Schwaben gibt es derzeit 38 Hospizplätze, 14 davon jetzt in Augsburg. Der Einzugsbereich des St. Vinzenz-Hospizes reicht von Günzburg bis München und von Donauwörth bis Landsberg am Lech.

Zur Finanzierung des 6,5 Millionen Euro teuren Neubaus haben Zuschüsse der Diözese Augsburg (2,6 Millionen Euro) sowie von verschiedenen Stiftungen beigetragen. Dazu gehören unter anderem die Deutsche Fernsehlotterie, die Deutsche Krebshilfe und die Paula-Kubitschek-Vogel Stiftung, jeweils mit 500.000 Euro. Rund 2 Millionen Euro muss der Verein aus Eigenmitteln, Spenden und mit einem Darlehen über 800.000 Euro finanzieren.

 

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